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Erdachse

Die "Erdachse" ist eine insbesondere älteren Harlingerödern geläufige Tradition. Sie wird jedes Jahr am 3. Juni auf dem Hof der Öffentliche-Versicherung von Frank Woitek gefeiert. An diesem Tag (dem 3. Juni 1053) wurde der Ort Harlingerode erstmals erwähnt. Dieser Tag gilt darum als Geburtstag von Harlingerode. Faktisch ist das zwar (sehr wahrscheinlich) nicht korrekt, da der Ort zu einem heute unbekannten Zeitpunkt gegründet wurde, aber dieses Detail soll uns nicht weiter stören.

Bei der Erdachse handelt es sich um einen Metallstab, der unter einem Gullideckel aus der Erde herausragt. Kern der Tradition ist ihre Schmierung, damit sich die Achse auch reibungslos dreht. Und warum muss sie sich überhaupt drehen? Das Motto ist einleuchtend: Weil sich die ganze Welt um Harlingerode dreht!

Naja, der wahre Hintergrund ist ein anderer.

Die beiden entscheidenden Begründer der Tradition am 3. Juni 2003: Joachim Niemeyer (links) und Ralf Abrahms (rechts)

Geburt einer Tradition

Seinen Anfang nahm die Tradition der Erdachse im Jahr 2003. In diesem Jahr wurde der 950. Geburtstag von Harlingerode mit einem großen Festumzug gefeiert. Eine Zwischenstation dieses Umzugs war ein Festgottesdienst in der evangelisch-lutherischen St.-Marien-Kirche. In der Zwischenzeit arbeitete Frank Woitek auf dem Hof der "Börse" (eine mittlerweile geschlossene Gaststätte, wo jetzt die Öffentliche-Versicherung ist). Er fand bei seinen Arbeiten ein unbekanntes Metallstück in der Erde. Als Reaktion darauf begab er sich in die Kirche während des Festgottesdienstes und verkündete, dass er etwas Seltsames auf dem Hof gefunden habe. Die interessierte Menge ging den kurzen Weg zum Hof hinunter. Beim Anblick des aus der Erde ragenden Metallstücks merkte eine Person an:

"Das muss die Erdachse sein, weil sich ja auch alles um Harlingerode dreht!"

Auf diesen Moment wurde in der anliegenden Gaststätte ein Fest auf diese Begegnung gefeiert. Das gefundene Metallstück wurde zwischenzeitlich mit einem Gulli versehen, so dass es bei Bedarf wieder ans Tageslicht gebracht werden kann.

Weiterentwickelt wurde diese Tradition durch den langjährigen Bürgermeister (und Vereinsmitglied) Ralf "Charly" Abrahms, der ein guter Freund von Vereins-Mitbegründer Joachim "Jochen" Niemeyer war und ist. Beide haben eine enge Verbindung zu dem polynesischen Inselstaat Tonga: Abrahms durch seine Vorliebe für den Urlaubsort und Niemeyer durch familiäre Verwandtschaft. Er erkor aufgrund der extrem weiten Entfernung zu Harlingerode das "andere" Ende der Erdachse auf Tonga und hält sich - bei Gelegenheit - am anderen Ende der Welt auf, um auch diese Achsenhälfte zu schmieren. In Gedenken an die "andere" Erdachse auf Tonga befindet sich auf der Harlingeröder Achsenspitze eine original polynesische Muschelschale.

Von links nach rechts: Jonathan Chibungo (Harlingeröder Patenkind), Joachim Niemeyer (PUR-Vereinsvorsitzender), Till-André Diegeler (PUR-Vorstandsmitglied), 3. Juni 2022.
Foto: Holger Schlegel, Goslarsche Zeitung

Traditionelle Feier mit Harlingeröder Patenkind

Die Erdachsenschmierung wird traditionell mit dem Harlingeröder Patenkind gefeiert. Dabei handelt es sich um Jonathan Chibungo, der am 3. Juni 2003 in Harlingerode auf die Welt kam und dankenswerterweise auch 2022 bei der jüngsten Erdachsenschmierung nach der Corona-Sperre dabei war.

In gewisser Weise kann auch Frank Woitek als Patenkind der Tradition betrachtet werden. Nachdem der Gasthof "Börse" aufgegeben wurde, begründete er - direkt neben der Erdachse - seine Niederlassung der Öffentliche-Versicherung und betreibt diese bis heute unter seinem Namen.