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 Ortsumgehung Harlingerode

Ortsumgehungen sind aus guten Gründen nicht immer unumstritten. Je nach Einzelfall können die Vor- oder Nachteile überwiegen. Es ist darum grundsätzlich genau zu begründen, warum die Forderung nach einem solchen Bauwerk sinnvoll ist.

In diesem Fall verfolgt eine Ortsumgehung konkret den Zweck, die Straßen "Viehweide" und "Immenröder Straße" zu entlasten. Der Bedarf setzt sich aus mehreren Gründen zusammen und entwickelte sich historisch wie folgt:

  1. Umstellung des Industrieparks Harlingerode (ehemalig Hüttenwerk Harz) auf straßengebundenen Güterverkehr. ​Der Industriepark ist Sitz vieler logistikintensiver Betriebe. Schienengüterverkehr im Industriepark Harlingerode stellt aktuell keine weitgehende Alternative dar, der Hauptbetreiber der Grundstücke ertüchtigt jedoch den Anschluss zum Bahnhof Oker (Stand: 2023). Der einst für den Güterverkehr genutzte Betriebsbahnhof Oker Ost wurde 2001 geschlossen und 2021 endgültig entwidmet. 

  2. ​Die Eröffnung des Gewerbegebiets Ellernwiesen (Gebäude an der Straße Am Finkenbrink und teilweise Göttingeröder Straße) Ende der 1980er-Jahre mit mehreren logistikintensiven Betrieben

  3. Konzentration der Verkehrsströme auf die Straßen Viehweide/Immenröder Straße durch Neubau der Kraftfahrstraße B 6 zwischen Bad Harzburg und Goslar bis 1987

  4. ab 2020 weiterer Ausbau des Industriegebiets "Recyclingzentrum Harz" mit Ansiedlung logistikintensiver Betriebe

 

Insbesondere letzter Punkt steigerte die Dringlichkeit einer Umgehungsstraße, da mit einer weiterer Zunahme des Schwerverkehrs zu rechnen ist. Von vielen Anwohnern in der Viehweide wird bedingt durch die Abrollgeräusche der Reifen und Bewegungen (Klopfen/Scheppern) von Stückgütern innerhalb der Transporter von einer hohen bis sehr hohen Lärmemission berichtet, die einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität hat. Bis auf Schallschutzfenster sind keine denkbaren Alternativen wie etwa LKW-Durchfahrtsverbote vorhanden, da alle aus dem Industriegebiet führenden Straßen durch geschlossene Ortschaften führen. Auch die Einführung eines Tempolimits auf 30 km/h führte nicht zur Lösung des Problems.

Durch den Bau einer Ortsumgehung soll somit die Bündelung der Verkehrsströme auf die Straße Viehweide und somit die Lärmemissionen innerhalb der Ortschaft verlagert werden. Die zusätzliche Flächenversiegelung ist zudem vertretbarer als in vielen anderen Fällen, da die Böden auf der in Frage kommenden Trasse eine außergewöhnlich hohe Schwermetallbelastung aufweisen.

Info zur Westumgehung Harlingerode

Wollen Sie mehr über die Geschichte zur Westumgehung erfahren? Lesen Sie unsere Chronologie hierzu.

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Möglicher Verlauf der neuen Ortsumgehung, basierend auf den Bebauungsplan von 2002. Karte: OpenStreetMap

​Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Erste Planungen einer Westumgehung reichen bis mindestens in die 1980er-Jahre zurück. Im Jahr 2002 wurde ein eigener Bebauungsplan für die Umgehungsstraße festgelegt. Dieser hat bis heute Gültigkeit. Die ungeklärte Finanzierung ließ das Projekt jedoch, zum Leid der Hausbesitzer und Anwohner, zunächst um 2004 herum scheitern. 

Die Industriepark und Verwertungszentrum Harz GmbH (IVH; https://www.i-v-h.de/) unter Führung des Hildesheimer Großunternehmers Knut Bettels erwarb den Löwenanteil der "Industrieleiche" Hüttenwerk Harz. Die IVH will sich mit dem Landkreis Goslar und der Stadt Bad Harzburg an der Finanzierung der Westumgehung beteiligen. Der Kreistag bewilligte am 14. Dezember 2020 die Finanzierung der Vorplanung dieser Umgehungsstraße unter Leitung von Stefan Behrens (Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt / Landkr. Goslar) für rund 400.000 Euro Steuermittel. (PI vom 14.12.20: https://landkreis-goslar.de/)

Februar 2022: Es finden Gespräche zwischen Stadt, Landkreis und IVH mit den Grundstückseigentümern statt, bei denen es sich hauptsächlich um Landwirte aus dem Ort handelt. Dabei sind weitere Faktoren wie z.B. die Belastung der Böden mit Schwermetallen zu beachten, die zur Diskussion weiterer Maßnahmen - insbesondere der Aufforstung weiter Flächen nordwestlich von Harlingerode - führen.

Oktober 2022: Die weitere Planung der Westumgehung Harlingerode wurde im Landkreis Goslar genehmigt; vgl. Beschlussvorlage XIII / 0220.  Mit dem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens ist 2025 zu rechnen. Verlauf und Finanzierung sind noch unklar. Vgl. Goslarsche Zeitung (Holger Schlegel: "Die Westumgehung kostet sechs Millionen Euro", 12. Oktober 2022).

Unabhängig davon wird die IVH voraussichtlich in den nächsten Wochen mit dem Bau der so genannten "provisorischen Westumgehung" beginnen. Damit ist die Asphaltierung weitestgehend bestehender Feldwege nördlich der Wohnbebauung gemeint. Diese ist notwendig, um die Kaltenfelder Straße und tlw. Immenröder Straße von dem aktuell erheblichen Schwerlastverkehr durch Zufahrten auf das Deponiegelände nördlich der Bahnstrecke Bad Harzburg - Oker zu befreien. Sie ist jedoch keine vollumfängliche Entlastung des Wohngebiets, da sie nicht die Unternehmen im Gewerbegebiet Am Finkenbrink und mehrheitlich im Recyclingpark Harz (Zinkhütte) umfasst.

September 2023: Die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr wird in das Projekt involviert. Zusammen mit dem Landkreis Goslar beauftragte sie eine Befragung an den Straßen Viehweide und Immenröder Straße, um hieraus Informationen für die mögliche Planung einer Ortsumgehung zu gewinnen. (Vgl. Link von der Landesbehörde)

Weiterführende Links

Bebauungsplan Nr. 374 "Westumgehung Harlingerode" vom 20. Juni 2002 [.pdf, 10 MB]

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