Westumgehung Harlingerode

Aktualisiert: Okt 11


In etwa hier ist die Westumgehung geplant. Die Brücke wird wahrscheinlich abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Foto: Till-André Diegeler, August 2021.

Westlich von Harlingerode befindet sich das Industriegebiet Recyclingzentrum Harz. Seit den 1930er-Jahren ist hier in Form der Zinkhütte Harlingerode Schwerindustrie angesiedelt. In der Vergangenheit wurde der Güterverkehr über die Schiene, hier den heute abgerissenen Güterbahnhof Oker Ost, abgewickelt. Mit der zunehmenden Verlagerung des Güterverkehrs auf LKW und zum 25. November 1982 die Fertigstellung der B 6 bis zur Immenröder Straße entwickelte sich die Viehweide zur Schwerverkehrsachse. Hinzu kam im späten 20. Jahrhundert das Gewerbegebiet Ellernwiesen (Straße: Am Finkenbrink) als Verkehrsquelle und -senke.


Im Zuge der von Knut Bettels angekündigten Ausbaupläne im neu ausgewiesenen Recyclingpark Harz wird in jüngster Zeit daher eine schon länger bestehende Forderung dringender: Der Bau einer Westumgehung für Harlingerode. Die Hauptgründe liegen auf der Hand:


  • Lärmbelästigung für die Anwohnerschaft in der betroffenen Wohngegend

  • Verkehrsprobleme, insbesondere durch den Konflikt zwischen parkenden Autos und Schwerlastverkehr

  • Mögliche Belastung durch Anlieferung von Bauschutt und Teerresten


Bisherige Überlegungen zur Ortsumgehung

Karte: OpenStreetMap, 2020

Die Idee zur Westumgehung ist wie schon erwähnt seit längerem vorhanden, jedoch zwischenzeitlich politisch abgeebbt. War damals erstmal ersichtlich, dass die Westumgehung "in ferner Zukunft" liegt, so haben wir mit den aktuellen Entwicklungen diese Zukunft endlich erreicht. Weitere Ansätze sind zwischenzeitlich gescheitert - allen voran der Bau einer B 498n als Entlastungsstraße in Oker, die im Jahr 2007 bis auf Weiteres endgültig gestrichen wurde. Die Westumgehung stellt im Zusammenhang mit den jüngsten Entwicklungen also die nötigste Alternative dar.


Ein Bebauungsplan für die Westumgehung Harlingerode wurde im Jahr 2002 festgesetzt. Wichtig ist jedoch zum aktuell Standpunkt zu berücksichtigen, dass sich der Verlauf immer noch ändern kann. Die Karte spiegelt nur die kartierten Planungen aus dem Jahr 2002 wider und grundlegende Änderungen können immer noch durchgeführt werden.


Prinzipiell soll die Landstraße [K 70] aus Richtung Oker direkt mit der Immenröder Straße [K 46] aus Richtung B 6 verbunden werden. Damit wird die Viehweide als bisherige Trasse für den Schwerlastverkehr uninteressant und das Problem aus dem Ort geschafft. Nötig sind hier auch Lärmschutzmaßnahmen, für die man im Bebauungsplan auf eine Bepflanzung mit Bäumen zurückgreifen würde.


Wie auch immer sich die politischen Gremien entscheiden: Wichtig ist, dass der Durchgangsverkehr im Ort nicht zu-, sondern abnimmt und wir als Bürger*innen nicht unter noch mehr Lärm und Verkehr innerhalb der Ortschaft leiden.


Dezember 2020


Die von Brych konstituierte Lenkungsgruppe aus Vertretern der beiden Städte, des Landkreises und der Bettels-Gruppe wurde am 14. Dezember 2020 in den Kreistag geladen. Stefan Behrens stellte hier den aktuellen Stand der Planungen vor, die sich allerdings noch im Frühstadium befinden. In diesem Zusammenhang wurde um die Bewilligung von Haushaltsmitteln in Höhe von rund 400.000 Euro im Zuge der Vorplanungen gebeten [Quelle: Landkreis Goslar, 14.12.2020]. Der Kreistag entschied sich umsichtig und stimmte der Bewilligung zu [Quelle: Frank Heine, Goslarsche Zeitung v. 15.12.2020].


November 2020


Bekräftigt wurde der politische Wille zur Westumgehung im November 2020 bei der Gründung der Lenkungsgruppe mit Vertretern der Städte Bad Harzburg und Goslar, der unteren Bodenschutzbehörde und der von Bettels gegründeten "Industriepark- und Verwertungszentrum Harz GmbH", kurz IVH. Die beteiligten Akteure sind sich einig darüber, dass "der Bau einer Ortsumgehung eine wichtige Facette bei allen künftigen Planungen" (vgl. Goslarsche Zeitung vom 13. November 2020) darstellt.


Ebenfalls wird die Not von der Kreistagsgruppe SPD/FDP/Grüne erkannt, die Landrat Brych um einen zügigen Beginn der Grundsatzplanungen ab Ende November diesen Jahres bitten. Dieses Vorhaben wurde angenommen und durch Brych eine Lenkungsgruppe gebildet.


2004


"Die Realisierung der Westumgehung in Harlingerode ist in weite Ferne gerückt", das sagte Bauamtsleiter Heinz Göttling am Donnerstag 12.02.2004 bei der Verkehrsausschusssitzung dem Gremium.


Unter Punkt 3 auf der Tagesordnung erläuterte Heinz Göttling die Problematik mit der Ortsumgehung. Das Hauptproblem sei wohl die Finanzierung. Mangels leerer Kassen, sehe man in absehbarer Zeit keine Möglichkeit das Projekt „Westumgehung“ zu realisieren. Und doch sieht man dringenden Handlungsbedarf. „Der Schwerlastverkehr hat spürbar zugenommen und ist aus dem Ort einfach nicht heraus zu kriegen“, waren seine Worte. Es müssen Alternativen gefunden werden, die wirkungsvoll und auch bezahlbar sind. "Möglichkeiten gibt es viele", sagte Henning Franke von der SPD-Fraktion, "sie müssen nur eine vernünftige Basis haben".


Nicht nur der Schwerlastverkehr ist zu einer Belastung, insbesondere der Anwohner der Viehweide, Meinigstraße und Planstraße, geworden, sondern auch der zunehmende PKW-Verkehr. Verkehrszählungen, die jetzt im Bereich der K46 durchgeführt werden, sollen das tatsächliche Verkehrsaufkommen dokumentieren. Diese Zahlen sollen dabei helfen, eine vernünftige Alternative zur Westumgehung zu finden, mit der man einigermaßen Leben kann.


Eines wurde auf der Ausschusssitzung deutlich, eine Verkehrsentlastung unseres Ortes ist unumgänglich, darüber sind sich alle einig, wie sie jedoch aussieht wir die Zukunft zeigen, doch letztendlich scheitert die wirkungsvollste Lösung mal wieder am Geld.


1980


Der Landschaftsplan Bad Harzburg, der von der Arbeitsgemeinschaft Dipl.-Ing. Gero Hille und Dipl.-Ing. Gerd Nolte erarbeitet und 1980 fertiggestellt wurde, bemerkt für die Verkehrssituation in Harlingerode auf Seite 256:


"Durch den Autobahnanschluß Harlingerodes [Anm.: Die B 6 war nördlich von Harlingerode in den 1980er-Jahren als A 36 geplant - mehr Informationen in diesem Blogeintrag.] über die K 45 [Anm.: heute K 25, Immenröder Straße] wird der Stadtteil einem verstärkten Verkehrsaufkommen ausgesetzt, dem der Ort mit seiner gut erhaltenen, mittelalterlichen, dörflichen Struktur nicht gewachsen ist. Dies bedeutet für Harlingerode neben den Belastungen durch die Industrie eine weitere Einbuße an Wohnumfeldqualität.


Abhilfe läßt sich durch eine westliche Umgehung Harlingerodes schaffen, die dort direkt auf die L 501 [Anm.: heute K 70, Landstraße] trifft."


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