
Reaktivierung
Bahnhaltepunkt
Die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker durchquert seit 1912 unseren Ort. Von Anfang an besaß Harlingerode einst einen eigenen Bahnhof. Im Rahmen ausgiebiger Sparmaßnahmen der damaligen Deutschen Bundesbahn wurde dieser Bahnhof zum 31. Mai 1987 jedoch stillgelegt und das Gelände verkauft.
Die Stadt Bad Harzburg beschloss im Dezember 2025 einstimmig und parteiübergreifend eine Resolution für einen neuen Bahnhalt bei uns im Ort.
Seit Sommer 2024 ist Harlingerode auch im landesweiten SPNV-Konzept 2040+ der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und des Regionalverbands Braunschweig festgehalten.
Was hat Harlingerode PUR damit zu tun?
Im Jahr 2021 wurde zunächst intern die Idee erwogen, dass ein neuer Bahnhaltepunkt Vorteile für den Ort brächte. Mit knapp 3.000 Einwohnern ist Harlingerode die größte Ortschaft im Landkreis Goslar an einer Bahnstrecke ohne eigenen Zugang. Entsprechende Initiativen in anderen Orten wurden wahrgenommen. Allerdings ging es nur um die generelle Machbarkeit; die Entscheidung kann und soll nur die Politik treffen. Wir kontaktierten deshalb Mitte 2021 erstmals den Regionalverband Großraum Braunschweig als zuständigen Zweckverband in unserer Region.
Er bestätigte, dass unser Vorschlag grundsätzlich wünschenswert ist, da vertretbar hohe Fahrgastzahlen zu erwarten sind (laut eigenem Verkehrsmodell bis zu 300 Ein- und Aussteiger pro Tag). Jedoch standen betriebliche Probleme dem im Weg (siehe "Hürden"). In Frage kommt dabei nur die heutige RB 82 (Bad Harzburg - Goslar - Kreiensen). Ein Halt des RE 10 (Bad Harzburg - Hannover) wurde nicht berücksichtigt.
Im Frühjahr 2024 wurde in Vermittlung durch den Regionalverband eine Kooperation mit einer Studienarbeit an der Hochschule Ostfalia begonnen. Es wurde zunächst eine grobe Voruntersuchung mit einer ersten Nutzwertanalyse durchgeführt. In dem studentischen Projekt wurden dabei Standorte am Nahversorgungszentrum, beidseitig der Bruchstraße an der Bahnbrücke und an der Viehweide verglichen. Harlingerode PUR (Ansprechpartner: Till-André Diegeler) wirkte dabei mit seinen eigenen Überlegungen mit, um möglichst belastbare Argumente für den finanziellen Nutzen des Haltepunkts für die kommunalpolitische Diskussion zusammenzutragen. Die Untersuchung war ergebnisneutral vorgesehen.
Aufbauend auf die studentische Arbeit wurden bis Anfang 2026 die beiden vorgeschlagenen Bahnsteigstandorte, die alternativen Varianten an der Viehweide / Freizeitzentrum und zusätzlich der alte Bahnhof von PUR-Mitglied Till-André Diegeler betrachtet. Zusätzlich wurden Zuwegungen, Grundstücke und das Zusammenspiel mit dem bestehenden Busverkehr berücksichtigt.
Welche Hürden gibt es?
Die DB Netz führte im Jahr 2016 eine Machbarkeitsprüfung durch. In dieser stellte sie zwar fest, dass ein reaktivierter Bahnhof Harlingerode grundsätzlich von den Passagierzahlen her wirtschaftlich und damit sinnvoll sein könnte. Mit den zu dieser Zeit dieselbetriebenen Zügen war ein zusätzlicher Halt aber nicht in den Fahrplan der RB 82 (Bad Harzburg – Goslar – Kreiensen/Göttingen) einbindbar. Grund ist die zu kurze Wendezeit in Bad Harzburg, da die Züge zu langsam beschleunigen. Die GZ berichtete hierüber im Detail.
Im Unterschied zu anderen Orten wie Wendessen bei Wolfenbüttel oder Bienrode in Braunschweig wurde Harlingerode darum nicht in die "Stationsoffensive" aufgenommen. In diesen Orten werden neue Haltepunkte bereits zusammen mit der DB Station&Service konkret geplant und in den nächsten Jahren gebaut - zum Beispiel Isenbüttel und Bienrode im Jahr 2026. Elektrisch betriebene Züge hätten laut damaliger Rückmeldung des Regionalverbands Braunschweig hingegen einen Halt in Harlingerode zugelassen, da sie besser beschleunigen und darum im Schnitt schneller fahren. Dafür kämen sowohl oberleitungsbetriebene Züge als auch Akkumulatortriebwagen (sogenannte BEMU) in Frage.
Es war darum zunächst offen, ob diese Züge kommen und damit der Bahnhalt in Harlingerode zurück kann. Der Regionalverband Großraum Braunschweig beschloss am 6. Oktober 2022 einen Strategieplan für für die nächsten Jahrzehnte im Nahverkehr der Region (SPNV-Konzept 2030+). In der Begründung dieses Papiers wird der Neubau einer Station in Harlingerode explizit als anzustrebendes Vorhaben erwähnt. Die Züge sollen hier in Zukunft batterieelektrisch (BEMU) fahren.
Im Januar 2024 erhielten wir eine vorsichtige Rückmeldung, dass die Machbarkeit denkbar ist. Das bedeutete aber nur den Beginn eines jahrelangen Prozesses: So war zuerst fraglich, wo überhaupt ein Bahnsteig wieder in Frage kommt. Das muss nicht zwingend der alte Bahnhof sein (siehe unten).
Zudem wurde uns 2025/26 signalisiert, dass man erst auf die neuen Züge warten will, ob diese tatsächlich gut genug beschleunigen. Die Ausschreibung der neuen Züge könnte nach aktuellem Kenntnisstand (Ende 2026) im Jahr 2027 beginnen.
Was ist geplant?
Die Umsetzung eines Bahnhaltepunktes steht nach aktuellem Kenntnisstand in engem Zusammenhang mit der erfolgreichen Elektrifizierung der Strecke zwischen Goslar und Bad Harzburg und somit auch durch unseren Ort. Entsprechende Flächen für die beiden Bahnsteigstandorte sollen durch die Lage der Oberleitungen berücksichtigt werden. Der Haltepunkt Harlingerode soll demnach nach der erfolgten Planung der Elektrifizierung näher betrachtet werden.
Aus den beiden Betrachtungen in den Jahren 2024 und 2026 ging hervor, dass zwei Standorte an der Klagesstraße und im Bereich Bruchstraße/Wilhelm-Busch-Straße voraussichtlich umsetzbar sind. Diese Betrachtung wurde mit dem Regionalverband Braunschweig abgestimmt und der Stadtverwaltung Bad Harzburg übergeben und ist auch hier herunterladbar.
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Der Standort an der Bruchstraße/Wilhelm-Busch-Straße zeichnet sich durch eine besonders günstige Grundstückssituation aus. Für die bisher eher schlecht angebundenen Wohngebiete Harlingerode-Ost und Steinkamp würde dieser Standort eine erhebliche Verbesserung im ÖPNV-Anschluss bedeuten und die weite Entfernung zum Regiobus 810 nach Goslar in großen Teilen kompensieren. Zugleich ist auch die fußläufige Erreichbarkeit aus anderen Teilen der Ortschaft zufriedenstellend. Ein Busanschluss ist baulich voraussichtlich ohne größere Probleme umsetzbar, falls hierfür Bedarf besteht. Jedoch liegt der Bahnsteig ebenfalls nah an Wohnbebauung, insbesondere der angrenzende Vorplatz wäre hier zu beachten.
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Der Standort an der Klagesstraße würde unmittelbar an das Nahversorgungszentrum anschließen und wäre somit für Wegeketten im Ort zentral. Zudem ist er durch den bestehenden Schutzwald weitestgehend zur Wohnbebauung abgegrenzt und für den Vorplatz könnten gegebenenfalls bestehende Flächen genutzt werden. Für den Nahversorgerstandort könnte der Haltepunkt langfristig zur Sicherung beitragen. Eine Busanbindung gestaltet sich hier jedoch deutlich aufwändiger, ebenso wären für einen Busanschluss voraussichtlich größere Grundstücke zu erwerben.
Eine Wiederherstellung an alter Stelle (Westende vom Fleischerweg) zeigte sich dabei nicht als die beste Lösung. Der Standort ist rechtlich nicht mehr als Bahngelände gewidmet und würde als Neubau zählen, einen Vorteil gibt es also nicht. Es ist an mehreren Stellen überbaut und wird als Wohngebiet genutzt. Zudem ist die Lage im heutigen Ortsgebiet nachteilig: Es bestünde keine Direktanbindung am südlichen Nahversorger als Einkaufsmöglichkeit, besonders aus Osten und Süden ist der Bahnsteig in einer weiten Sackgasse, die Wohnbebauung und Grundstückssituation beeinträchtigt die Nutzung (Parkplätze) und ein Busanschluss ist nicht möglich.
Nach erfolgtem politischen Entscheid für eine (oder ggf. mehrere) Varianten würde eine Planungsvereinbarung u.A. mit der Stadt zur Umsetzung geschlossen werden. Mit der aktuellen Gesetzeslage ist für Planung und Bau einer neuen Bahnanlage dann mit einem Zeitraum von 7-8 Jahren zu rechnen. Die Kosten könnten sich etwa auf Fördermittel des Bundes, Fördermittel der beiden Aufgabenträger (LNVG/Regionalverband Braunschweig) und dem Haushalt der Stadt aufteilen. Es ist zwar abzusehen, dass die Stadt lediglich für den Vorplatz und zusammenhängende Maßnahmen (Anpassung Busnetz) anteilig aufkommt und etwa der Bahnsteig selbst fast vollständig gefördert wird. Jedoch ist die endgültige Kostenstruktur offen und muss bei politischem Bedarf geklärt werden. Für einen Bahnhaltepunkt wurden im Jahr 2021 Kosten von rund 2 Millionen Euro angesetzt, vergleichbar mit einem neuzubauenden Haltepunkt in Bienrode ist. Bei positivem politischen Mandat und Festlegung der Finanzierung für Planung und Bau innerhalb der nächsten Jahre kann mit einer Eröffnung frühestens Mitte der 2030er-Jahre gerechnet werden.
Info zum Bahnhof Harlingerode
Tatsächlich besaß Harlingerode in der Vergangenheit einen Bahnhof. Er war auch nicht gerade klein, sondern hatte mehrere betriebliche Aufgaben und war in seinen Ausmaßen zu Spitzenzeiten etwas kleiner als der Bahnhof Oker heute. Mehrere Industriebetriebe waren an ihn angeschlossen, darunter das Sägewerk Klages oder indirekt die Eisenerzgrube Hansa.
Wollen Sie mehr über unseren alten Bahnhof erfahren? Tauchen Sie in unsere Chronik des Harlingeröder Bahnhofs ein!

Blick auf den alten Bahnhof Harlingerode im Jahr 1980.
Hinweis: An dieser Stelle danken wir der Bad Harzburg Stiftung für ihre freundliche Genehmigung zur Nutzung einige ihrer Bilder. Mehr zeitgenössische Aufnahmen finden Sie hier!