
Bahnstation für Harlingerode
Die Bahnstrecke Bad Harzburg–Oker durchquert seit 1912 unseren Ort. Von Anfang an besaß Harlingerode einen eigenen Bahnhof. Im Rahmen ausgiebiger Sparmaßnahmen der damaligen Deutschen Bundesbahn wurde dieser Bahnhof zum 31. Mai 1987 stillgelegt und das Gelände verkauft. Damit ist Harlingerode das größte Wohngebiet ohne Bahnanschluss zwischen Bad Harzburg und Einbeck.
Was geschah bisher?
Die DB Netz führte im Jahr 2016 eine Machbarkeitsprüfung durch. In dieser stellte sie zwar fest, dass ein reaktivierter Bahnhof Harlingerode grundsätzlich von den Passagierzahlen her wirtschaftlich und damit sinnvoll sein könnte. Mit den zu dieser Zeit dieselbetriebenen Zügen war ein zusätzlicher Halt aber nicht in den Fahrplan der RB 82 (Bad Harzburg – Goslar – Kreiensen/Göttingen) einbindbar. Grund ist die zu kurze Wendezeit in Bad Harzburg, da die Züge zu langsam beschleunigen. Die GZ berichtete hierüber im Detail.
Im Unterschied zu anderen Orten wie Wendessen bei Wolfenbüttel oder Bienrode in Braunschweig wurde Harlingerode darum nicht in die "Stationsoffensive" aufgenommen. In diesen Orten werden neue Haltepunkte bereits zusammen mit der DB Station&Service konkret geplant und in den nächsten Jahren gebaut. Elektrisch betriebene Züge hätten laut damaliger Rückmeldung des Regionalverbands Braunschweig hingegen einen Halt in Harlingerode zugelassen, da sie besser beschleunigen und darum im Schnitt schneller fahren. Dafür kämen sowohl oberleitungsbetriebene Züge als auch Akkumulatortriebwagen in Frage.
Im Jahr 2021 einigte sich Harlingerode PUR, dass ein neuer Bahnhaltepunkt Vorteile für den Ort brächte. Wir kontaktierten hierzu Mitte 2021 den Regionalverband Großraum Braunschweig als zuständigen Zweckverband in unserer Region. Er bestätigt, dass unser Vorschlag grundsätzlich wünschenswert ist, da vertretbar hohe Fahrgastzahlen zu erwarten sind (laut eigenem Verkehrsmodell bis zu 300 Ein- und Aussteiger pro Tag).
Der Regionalverband Großraum Braunschweig beschloss am 6. Oktober 2022 einen Strategieplan für für die nächsten Jahrzehnte im Nahverkehr der Region (SPNV-Konzept 2030+). In der Begründung dieses Papiers wird der Neubau einer Station in Harlingerode explizit als anzustrebendes Vorhaben erwähnt. Die Züge sollen in Zukunft batterieelektrisch (BEMU) fahren.
Seit Sommer 2024 ist Harlingerode im landesweiten SPNV-Konzept 2040+ der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und des Regionalverbands Braunschweig festgehalten. Zudem stimmte die Stadt Bad Harzburg im Dezember 2025 einstimmig für eine Resolution zugunsten eines neuen Bahnhalts, so dass dieses Projekt im Einklang mit den demokratisch gewählten Gremien vor Ort steht..
Was hat PUR damit zu tun?
Im Januar 2024 erhielten wir die vorbehaltliche Rückmeldung zur Machbarkeit. Das bedeutet aber nur den Beginn eines jahrelangen Prozesses: Trotz zu der Zeit bekannter positiver Signale aus den beiden großen Ratsparteien gab es kein festes politisches Mandat aus der Kommunalpolitik. Ohne ein solches Mandat hat das Projekt keine Berechtigung. Das ist insbesondere deshalb relevant, da die Stadt Bad Harzburg einen relevanten Finanzierunganteil leisten müsste. Voraussetzung hierfür ist eine belastbare Faktenlage zum Haltepunkt.
Für eine Entscheidung müssen aber auch Fakten bekannt sein. So war zuerst fraglich, wo überhaupt ein Bahnsteig wieder in Frage kommt. Deshalb wurde im Frühjahr 2024 eine Kooperation mit einer Studienarbeit an der Hochschule Ostfalia begonnen. Es wurde zunächst eine grobe Voruntersuchung mit einer ersten Nutzwertanalyse durchgeführt. In dem studentischen Projekt wurden dabei Standorte am Nahversorgungszentrum, beidseitig der Bruchstraße an der Bahnbrücke und an der Viehweide verglichen. Harlingerode PUR (Ansprechpartner: Till-André Diegeler) wirkte dabei mit seinen eigenen Überlegungen mit, um möglichst belastbare Argumente für den finanziellen Nutzen des Haltepunkts für die kommunalpolitische Diskussion zusammenzutragen. Die Untersuchung war ergebnisneutral vorgesehen.
Eine Wiederherstellung an alter Stelle (Westende vom Fleischerweg) wurde von Beginn an ausgeschlossen. Der Standort ist rechtlich längst nicht mehr als Bahngelände gewidmet und würde als Neubau zählen. Es ist an mehreren Stellen überbaut und wird als Wohngebiet genutzt. Zudem ist die Lage im heutigen Ortsgebiet nachteilig: Es bestünde keine Direktanbindung am südlichen Nahversorger als Einkaufsmöglichkeit, besonders aus Osten und Süden ist der Bahnsteig in einer weiten Sackgasse, die Wohnbebauung und Grundstückssituation beeinträchtigt die Nutzung (Parkplätze) und ein Busanschluss ist nicht möglich.
Im Ergebnis wurden bis Juni 2024 Bahnsteigstandorte nördlich der Klagesstraße (auf der Südseite) und östlich der Bruchstraße (auf der Nordseite) positiv bewertet.
Aufbauend auf die studentische Arbeit wurden bis Anfang 2026 die beiden Bahnsteigstandorte von PUR-Mitglied Till-André Diegeler vertiefend betrachtet und um Zuwegungen, Parkplatz- und Busanschlüsse sowie Grundstücke betrachtet. Insbesondere wurde unterstellt, dass die Linie 810 in ihrer heutigen Form erhalten bleibt und dann parallel zum Haltepunkt weiter betrieben wird. Die Stadt Bad Harzburg beschloss währenddessen im Dezember 2025 einstimmig eine entsprechende Resolution für den Haltepunkt. Diese Betrachtung wurde dem Regionalverband Braunschweig und der Stadtverwaltung Bad Harzburg übergeben und ist auch hier herunterladbar.
-
Der Standort an der Bruchstraße zeichnet sich durch eine besonders günstige Grundstückssituation aus. Für die bisher eher schlecht angebundenen Wohngebiete Harlingerode-Ost und Steinkamp würde dieser Standort eine erhebliche Verbesserung im ÖPNV-Anschluss bedeuten und die weite Entfernung zum Regiobus 810 nach Goslar in großen Teilen kompensieren. Zugleich ist auch die fußläufige Erreichbarkeit aus anderen Teilen der Ortschaft zufriedenstellend. Ein Busanschluss ist baulich voraussichtlich ohne größere Probleme umsetzbar, falls hierfür Bedarf besteht. Jedoch liegt der Bahnsteig ebenfalls nah an Wohnbebauung, insbesondere der angrenzende Vorplatz wäre hier zu beachten.
-
Der Standort an der Klagesstraße würde unmittelbar an das Nahversorgungszentrum anschließen und wäre somit für Wegeketten im Ort zentral. Zudem ist er durch den bestehenden Schutzwald weitestgehend zur Wohnbebauung abgegrenzt und für den Vorplatz könnten gegebenenfalls bestehende Flächen genutzt werden. Für den Nahversorgerstandort könnte der Haltepunkt langfristig zur Sicherung beitragen. Eine Busanbindung gestaltet sich hier jedoch deutlich aufwändiger, ebenso wären für einen Busanschluss voraussichtlich größere Grundstücke zu erwerben.
Was ist geplant?
Die Umsetzung eines Bahnhaltepunktes steht nach aktuellem Kenntnisstand in engem Zusammenhang mit der erfolgreichen Elektrifizierung der Strecke zwischen Goslar und Bad Harzburg und somit auch durch unseren Ort. Entsprechende Flächen für die beiden Bahnsteigstandorte sollen durch die Lage der Oberleitungen berücksichtigt werden. Der Haltepunkt Harlingerode soll demnach nach der erfolgten Planung der Elektrifizierung näher betrachtet werden.
Nach erfolgtem politischen Entscheid für eine (oder ggf. mehrere) Varianten würde eine Planungsvereinbarung u.A. mit der Stadt zur Umsetzung geschlossen werden. Mit der aktuellen Gesetzeslage ist für Planung und Bau einer neuen Bahnanlage dann mit einem Zeitraum von 7-8 Jahren zu rechnen. Die Kosten könnten sich etwa auf Fördermittel des Bundes, Fördermittel der beiden Aufgabenträger (LNVG/Regionalverband Braunschweig) und dem Haushalt der Stadt aufteilen. Es ist zwar abzusehen, dass die Stadt lediglich für den Vorplatz und zusammenhängende Maßnahmen (Anpassung Busnetz) anteilig aufkommt und etwa der Bahnsteig selbst fast vollständig gefördert wird. Jedoch ist die endgültige Kostenstruktur offen und muss bei politischem Bedarf geklärt werden. Für einen Bahnhaltepunkt wurden im Jahr 2021 Kosten von rund 2 Millionen Euro angesetzt, vergleichbar mit einem neuzubauenden Haltepunkt in Bienrode ist. Bei positivem politischen Mandat und Festlegung der Finanzierung für Planung und Bau innerhalb der nächsten Jahre kann mit einer Eröffnung Mitte der 2030er-Jahre gerechnet werden.
Info zum Bahnhof Harlingerode
Tatsächlich besaß Harlingerode in der Vergangenheit einen Bahnhof. Er war auch nicht gerade klein, sondern hatte mehrere betriebliche Aufgaben und war in seinen Ausmaßen zu Spitzenzeiten etwas kleiner als der Bahnhof Oker heute. Mehrere Industriebetriebe waren an ihn angeschlossen, darunter das Sägewerk Klages oder indirekt die Eisenerzgrube Hansa.
Wollen Sie mehr über unseren alten Bahnhof erfahren? Tauchen Sie in unsere Chronik des Harlingeröder Bahnhofs ein!

Blick auf den alten Bahnhof Harlingerode im Jahr 1980.
Hinweis: An dieser Stelle danken wir der Bad Harzburg Stiftung für ihre freundliche Genehmigung zur Nutzung einige ihrer Bilder. Mehr zeitgenössische Aufnahmen finden Sie hier!